Den Christen ins Stammbuch

Glaube und Vernunft in Zeiten der Krise

Alle Christen tragen füreinander Verantwortung. Deshalb mische ich mich ein. Als Mensch und Christ. Verbale und schriftliche Entgleisungen in religiösen und gesellschaftlichen Kreisen lassen die Stimme der Vernunft vermissen. Dabei ist sie zu allen Zeiten wichtig.

In drei Punkten lege ich meine Ansichten vor:

1. Die christliche Lehre bejaht das Leben. Trotz aller Katastrophen, hallt das »Non abbiate paura!« – Habt keine Angst! – des Nazareners durch die Jahrtausende nach. Vor allem in der Krise sollte diese christliche Parole einen Härtetest bestehen. Jetzt, da durch Beschränkungen die Kirchentüren verschlossen sind, ist für einige Christen Gott in seinem Haus verschwunden – vermeintlich. Das goldene Kalb der Verschwörungs-theorien bietet einstweilen Ersatz und ruft zum Tanz. War es nur das Kirchencafé, das in Gottesdienste lockte? Mich lockt »Non abbiate paura!«

2. Auch für Christen gilt das »Du sollst nicht töten« des Alten Testaments (Exodus 20,13). Wer jetzt bereits nach öffentlichen Gottesdiensten ruft, kann nicht ausschließen, dass sich Teilnehmer mit dem Virus anstecken. Was, wenn Teilnehmer angesteckt werden und sterben? Will man sich dann mit dem Kainschen »…soll ich meines Bruders Hüter sein?« herausreden? (Genesis 4,9) »Non abbiate paura!« darf nicht zu Übermut verleiten. Es gilt »Du sollst nicht töten«.

3. Die Warnung vor falschen Propheten nicht vergessen (Matthäus 7,15 – 23). Seuchen, Kriege und Katastrophen sind keine belastbaren Zeichen der Endzeit. Wer sie biblischen Aussagen zuordnet, handelt fahrlässig. Die Geschichte unseres Planeten ist von unzähligen Heimsuchungen durchzogen. Hätte da nicht längst die letzte Stunde schlagen müssen? Bis es soweit ist gilt: Die Schöpfung pflegen und bewahren! Denn warum sollte Gott uns den Himmel anvertrauen, wenn wir die Erde mit Füßen treten?

© 2020 Matthias Möller