Serie | Meer Tiefgang (1) „Buchstabenfrei“ am Meer entlang

Das Wort Verkündigung gehört zu den recht altmodischen Begriffen. Eigene Worte, einen eigenen Erzählklang zu finden, ist nicht leicht. Verlockend bleibt zur Sicherheit und als Geländer in Kirchensprache zu fallen. Und da kirchliche Skandale – zu Recht – immer lauter schreien, während das Evangelium leiser und leiser wird, könnte jede frische, fröhliche Einlassung misstrauisch machen.

Sprachliche Ohnmacht kommt nicht nur vom Bedenken tragen. Wie es Menschen oft schwerfällt, in Beziehung mit Anderen ihre Empfindungen und Bedürfnisse in Worte zu fassen, kann das intime Gefühl des Glaubens unausdrückbar sein. Dass sich an diesen Blockaden etwas ändern muss, dürfte wenig Widerspruch ernten. Bei aller Liebe zu Sprache und Texten und Gebetsworten, sollten einige Meter „buchstabenfrei“ am Meer entlang gegangen werden. Allein um im Wind den Kopf zu lüften.

Einem Küstenmenschen wie mir fällt dies fraglos leicht. Die Welt des Simon Barjona, seines Bruders Andreas und der andern Fischer scheint auf heimatliche Art vertraut. Selbstredend lässt sich das galiläische Meer schon geografisch nicht mit Nordsee und Ostsee verbinden. Doch Wasser, Strand, Wind und Sturm streifen auch hier die Haut. Nasse Netze, mit Meeresfrüchten gefüllte Körbe, von Arbeit und Wetter gezeichnete Menschen und Boote sind an unzähligen Orten zu sehen. Am See Genezareth sah auch der Nazareners sie.

So betrachtet liegen nicht zweimal tausend Jahre zwischen der Gegenwart und den evangeliaren Zeiten. Nur einige Schritte vom Ufer könnten die Menschen stehen, die einst zu Heiligen erklärt wurden. Von dieser Wasserkante aus möchte ich beobachten, ja erzählen lernen…