Das Kreuz und »behinderte Menschen«

ZFh (3)

Die Passion des Nazareners aus der Sicht eines behinderten Christen anzugehen, könnte eine Deutung zugunsten einer Minderheit nach sich ziehen: Personen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Was ziemlich kurzsichtig wäre. Im Evangelium nach Matthäus wird erzählt, Jesus lädt alle zu sich ein, die sich plagen und von ihrer Last beinahe erdrückt werden. Er bietet an, ihnen ihre Last abzunehmen und möchte sie »lebendig machen« (Mt 11,28). Ein Angebot für alle Menschen, die sich plagen und Lasten tragen. Für alle Christen ist das Maßstab und Verpflichtung.

Einige Beispiele, was eine Last sein kann: Krankheit lässt keinen klaren Gedanken zu – Sorgen zerfressen die Familie. – Stress am Arbeitsplatz macht Durchatmen unmöglich – Einsamkeit im Seniorenwohnheim stiehlt die letzten Kräfte. Es geht bis zum Schmerz durch körperliche Gewalt, bis zum geistigen und sexuellen Missbrauch. Nicht zu unterschätzen die Nebenwirkungen von Kommunikation im Internet, in Chats und Foren. Die Liste ließe sich problemlos fortsetzen.

Menschen mit diesen Lasten gehören genauso zu den »behinderten Menschen«, weil durch ihr Leid oft ihre Lebensführung beeinträchtigt ist. Dass Jesus alle einlädt, die sich plagen, lässt mich die Gruppe der »behinderten Menschen« so weit fassen. Seit einiger Zeit streitet die Öffentlichkeit darüber, ob die Bezeichnung Behinderte(r) eine Diskriminierung darstellt und durch umschreibende Wörter ersetzt werden sollte. Ich verwende die Formulierung »behinderter Mensch«, weil sie offenlässt, ob eine Person behindert ist oder ob sie behindert wird.

Jeder ist abhängig von seinem Kreuz. Doch ist dies Schicksal oder gar »gottgewollt«? Schließlich versprach Jesus doch, die Last abzunehmen und »lebendig machen« zu wollen…

© Matthias Möller Auszug aus: Das Leben aufs Kreuz gelegt (Werkstattfassung) |

Auszug 1: Das Kreuz droht zu verstummen

Auszug 2: Das Kreuz und »behinderte Menschen«

Auszug 3: Das Kreuz und falscher Trost

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Ein Kommentar zu „Das Kreuz und »behinderte Menschen«

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