Das Kreuz droht zu verstummen

ZFh (3)

Um nicht falsch verstanden zu werden – das Kreuz seht gegenwärtig so stark im Blick der Öffentlichkeit, wie lange nicht. Nahezu 100 Millionen Christen leiden nach Angaben von »Kirche in Not« weltweit unter Verfolgung und Diskriminierung. Und immer wieder berichten Medien von Kreuzigungen, Enthauptungen und Steinigungen. Ganz zu schweigen von den ähnlichen Schicksalen anderer Gruppen und Minderheiten. Was aber verstummt, ist das christliche Kreuz als Symbol der Leiden des Jesus aus Nazareth.

Dabei hat das Folterinstrument, an dem Jesus starb, im Christentum eine ständige Präsenz. In Kirchen, christlichen Institutionen und in einigen öffentlichen Gebäuden ist das Kreuzsymbol zu finden. Trotzdem geht dessen polarisierende Wirkung mehr und mehr verloren. Die Fähigkeit, zu empören, wachrütteln zu können, zu stören, schwindet. Gewiss: Für eine weltanschauliche Neutralität wird bisweilen ein Abhängen von Kreuzen – beispielsweise in Schulen – gewünscht. Einige Eltern sorgen sich um die seelische Gesundheit ihrer Kinder, wenn diese den Anblick eines Kruzifixes »ertragen müssen«. Erstaunlicherweise sind solche Beanstandungen eher selten. Vielleicht liegt eine Ursache in der Menge von Berichten über Gewalttaten, über Kriege und über Ungerechtigkeiten. Durch die hohe Zahl der Gewaltdarstellungen jedoch vergeht die Sensibilität für Leid, Schmerz und Trauer.

Aus der Sicht eines Christen mit einer Behinderung frage ich mich: »Was hat die Passion Christi heute noch mitzuteilen?« Nicht nur in Lehre und Glaubensätzen, sondern lebensnah und alltagstauglich. Keineswegs nur für die fernen Zonen des Himmels. Einfach für das Leben jedes Menschen. Oder gehören die Passionserzählungen nur noch zwischen zwei Buchdeckel, in einen Film, oder allenfalls auf eine Theaterbühne?

© Matthias Möller Auszug aus: Das Leben aufs Kreuz gelegt (Werkstattfassung) |

Auszug 1: Das Kreuz droht zu verstummen

Auszug 2: Das Kreuz und »behinderte Menschen«

Auszug 3: Das Kreuz und falscher Trost

Anfrage zu einem Vortrag /einer Lesung

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu „Das Kreuz droht zu verstummen

Kommentare sind geschlossen.